Alpenüberquerung mit dem Fahrrad - Bike Transgermany

Alpen und Berge haben seit Urzeiten eine magische Anziehungskraft auf die Menschheit. Nicht nur die sensationellen Ausblicke, die unbeschreibliche Schönheit der unberührten Natur, sondern auch ein Hauch von Abenteuer sind dafür mitverantwortlich.

Unzählige Märchen und Geschichten berichten über die Alpen und geheimnisvolle Berge. In den Anfängen der Menschheit wahr es wohl die Neugier, die die Menschen veranlasst haben, mal nachzusehen was wohl hinter dem nächsten Berg ist. Geht es da auch wirklich weiter oder ist die Welt da endgültig zu Ende?

Eine Überquerung der Alpen war zu diesen Zeiten nur zu Fuß möglich. Einige haben gesehen was hinter dem nächsten Berg ist, andere fanden bei solchen Reisen schon auf dem Hinweg den Tod und nur ganz wenige kehrten mit ihren Erlebnisberichten auch wirklich an den Ausgangsort zurück. Da wurden wohl Monate, wenn nicht gar Jahre an diesen Erinnerungen gezehrt und andere Leute zum Träumen angeregt, es auch irgendwann mal zu versuchen. Es wurden immer mehr Leute zu Reiseberichterstattern. Die Infos und guten Ratschläge, wie ein solches Unterfangen am besten und sichersten angegangen wird, wurden immer mehr.

Die Alpen und Berge haben auch den Verlauf von Kriegen und Landesgrenzen entscheidend mitgeprägt

AlpenüberquerungSchon Hannibal musste nach Überlieferungen aus dem Jahre 218 vor Christus böse erfahren, was es heißt, die Alpen zu überqueren. Mit 37 nordafrikanischen Elefanten, 12000 Reitern und 25000 Soldaten wagte er diese verhängnisvolle Reise. Überlebt haben soll dies jedoch lediglich nur ein einziger Elefant Namens Suru. Hätte er damals schon von Fahrradanhängern Kenntnis gehabt, wäre das ganze Drama sicher nicht so ausgeprägt verlaufen. Die ganze Reise dauerte 16 Tage, Wind und schlechtes Wetter zwangen ihn auf der Passhöhe drei Tage auszuharren. Nichts desto Trotz gewann dann Hannibal die Schlachten am Ticinus und der Trebia.

Es ist davon auszugehen, dass auch die Alpen und die Berge die Schweiz davor bewahrt haben, im zweiten Weltkrieg von der deutschen Wehrmacht überrannt zu werden. Länder, die solche Rückzugsmöglichkeiten haben sind ganz schwer einzunehmen, die Verluste wären einfach zu hoch gewesen, was Hitler wohl veranlasst hat, diese Exkursion besser nicht zu wagen. Deutschland hat dadurch unnötige Verluste vermieden, die Schweiz wurde nicht direkt in diese Kriegswirren verwickelt.

Durch den immer weiter voran getriebenen Straßenbau und der Mobilität wurde eine ganz neue Zeit der Alpenüberquerungen eingeleitet. Grenzüberschreitend wurden auch viele Passstraßen gebaut, von denen einige noch fast in ihrer Erstausführung ihren Dienst tun. Natürlich musste schon überall mal geflickt und etwas verbreitert werden, aber die Routenführung ist noch immer dieselbe, was beweist, dass auch die damaligen Ingenieure keine Nasenbohrer waren und durchaus wussten, was Sache ist, wie und wo eine Straße gebaut werden kann.

Eine Passüberquerung mit den ersten aus eigener Kraft angetriebenen Fahrzeugen war noch Abenteuer pur. Fehlende Pferdestärken mussten oftmals mit richtigen Pferden kompensiert werden, die dann einfach vor die Autos gespannt wurden um diese den Berg hochzuziehen, Kühler überhitzten, bei den meisten dieser Fahrten wurde für Pannenbehebung mehr Zeit aufgewendet wie die eigentliche Fahrzeit gedauert hat. Auf der anderen Seite den Berg wieder runter, war nicht nur abenteuerlich, nein, das war richtig gefährlich denn die Bremsen dieser Autos waren natürlich noch lange nicht soweit, dass solche Schubkräfte effektiv und sicher aufgefangen werden. Unfälle, oft mit bösem Ausgang bei Talfahrten waren an der Tagesordnung.

Die technische Entwicklung hat enorme Fortschritte gemacht, Passfahrten stellen heutzutage keine wirklichen Anforderungen mehr an die heutigen Autos. Power ist in den Autos mehr als reichlich vorhanden, die neuartige Bremstechnik steckt diese Anforderungen locker weg, gelegentlich kann ein undichter Kühler den Motor zur Überhitzung bringen.

Mountainbiker an einem Anstieg in den AlpenSo toll diese technischen Neuerungen auch sind, sie bringen aber auch unschöne Nebeneffekte. Wer nicht gerade seinen Urlaub in diesen wunderschönen Alpenregionen verbringt, brettert über diese Passstraßen um möglichst schnell von A nach B zu gelangen. Der Natur wird kein Blick gegönnt, für die Bewohner dieser Regionen ist dies auch wirtschaftlich ein Verlust. Früher mussten bei einer Alpenüberquerung zwangsweise mehrere Pausen eingelegt werden. Gasthäuser und Hotels waren sehr gut besucht, heute schaut das leider nicht mehr so toll aus.

Es findet jedoch ein Umdenken statt. Was früher nur den Radrennfahrern vorbehalten war spricht erfreulicherweise schon eine ganze Menge Leute an. Wir reden hier von einer Alpenüberqerung mit dem Fahrrad. Einige gehen bereits soweit, dass auch Fahrradanhänger zum Einsatz kommen. Zurück zur Natur, zurück zum Abenteuer ist hier die Parole.

Der Entschluss, so eine Alpenüberquerung mit dem Fahrrad zu machen kann verschiedene Gründe haben. Der sportliche Aspekt, seine eigenen Grenzen austesten, schaff ich das noch oder schaff ich das nicht. Aber auch der Gedanke eine wirklich schöne Gegend mal in aller Ruhe zu durchfahren kann ein idealer Anreiz sein dieses Wagnis einzugehen. Auch der Gedanke mit der ganzen Familie mal so einen Urlaub zu verbringen hat durchaus seine Reize. Kostet nicht viel, bringt etwas für die eigene Fitness, unvergessliche Eindrücke können aufgenommen werden und man gehört zu den Pionieren und weiß sicherlich mehr zu erzählen, wie Leute die zwei Wochen irgendwo am Meer in der prallen Sonne gelegen sind.

Für diese Art der Alpenüberqerung wurden auch schon Namen erfunden wie Transalp mit dem Fahrrad und auch der Name Alpencross ist bei Insidern ein Begriff.

Fahrradverbände und Touristikverbände promoten schon einige dieser sich eignenden Routen.

In der Schweiz sind das vorab mal die Routen von Basel nach Chiasso. Diese wird als Nord-Süd Route bezeichnet und hat eine Gesamtlänge von ansehnlichen 363 Kilometer. Nicht weniger attraktiv ist die sogenannte Graubünden Route die in Chur seinen Anfang hat und nach 260 Kilometer dann in Bellinzona endet.

Weitere Insidertipps sind Via Claudia die zum Teil noch auf den ursprünglichen von den Römern angelegten Straßen befahren wird, die Heckmaierroute mit nicht weniger als 13500 Metern Höhenunterschiede die auf 312 Kilometer bewältigt werden müssen, dann nicht zu vergessen eine sehr anspruchsvolle Route die sich Joe Route nennt. Mit 432 Kilometern und einer gesamten Höhendifferenz von 14100 Metern eine echte Herausforderung. Auch die Albrecht Route mit etwas weniger als 12000 Metern Höhendifferenz und einer Länge von nicht weniger wie 480 Kilometer wird doch den einen oder andern Schweißtropfen locker machen.

Für Hobby-Radrennfahrer wird vom Verein BIKE Transalp seit dem Jahre 1998 ein jährlich wiederkehrendes Radrennen für Zweierteams ausgetragen. Auch für bestrainierte Hobby-Rennfahrer gestaltet sich dieser Anlass zum wohl härtesten Rennen, das es weltweit gibt.

Gemütliche AlpenüberquerungAuch wer nur so zum Spass und der Freude an der schönen Natur eine Alpenüberquerung machen möchte, sollte schon vorher regelmäßig trainieren. Nur mal ab und zu mit dem Fahrrad ein paar Meter reichen als Vorbereitung natürlich nicht. Diese Touren stellen schon richtige Anforderungen an Mensch und Material. Wer unvorbereitet, körperlich nicht wirklich fit ist, der sollte dies vorher ändern, alles Andere kann gefährlich werden. Da wäre ein Muskelkater noch das kleinste Übel. Wer darüber nachdenkt, einen Fahrradanhänger einzusetzen, sollte definitiv körperlich fit sein.

Also als ersten Punkt sich gründlich körperlich auf so ein Unterfangen vorbereiten. Wer da etwas Zweifel hat ist gut beraten seinen gesundheitlichen Zustand von einem Arzt checken zu lassen und sich im Zweifelsfalle besser für eine Radtour im Flachland entscheiden.

Dann muss natürlich auch das Material, sprich das Fahrrad, den Ansprüchen entsprechen. Omas Fahrrad aus dem letzten Krieg tut es da nicht. Es muss nicht zwangsweise das teuerste Fahrrad sein, aber es gibt einige Dinge auf die geachtet werden müssen. Gewicht spielt bei allen Fortbewegungsmitteln eine entscheidende Rolle. Ob Flugzeug, Auto, Motorrad, was auch immer, aber beim Fahrrad ganz besonders, denn da ist die Fortbewegung ausschließlich die eigene Kraft in den Beinen. Jedes Kilo, das bei einer Bergfahrt mitgeschleppt wird, bedeutet Kraftanstrengung. Wo Gewicht eingespart werden kann, sollte man dies auch tunlichst machen. Das Fahrrad sollte somit möglichst leicht, aber trotzdem absolut stabil sein. Dann auch ganz wichtig ist natürlich der Antrieb. Die Übersetzungen beziehungsweise Untersetzungen müssen so berechnet sein, dass auch grössere Steigungen relativ mühelos bewältigt werden können. Da es ja irgendwann auch wieder mal den Berg runter geht, ist ein ganz besonderes Augenmerk auf die Bremsen zu legen. Wer bei der Bergfahrt mal nicht mehr weiterkommt, kann notfalls absteigen und ein Stück schieben, wer jedoch bei der Talfahrt ein Bermsversagen hat, sieht sich einem fast unlösbaren Problem gegenüber und dies endet meistens in einem mehr oder weniger üblen Sturz. Also keine Kompromisse eingehen die Sicherheit geht vor.

Erfreulicherweise zeichnet sich auch ein Trend ab, dass immer mehr Leute mehrtägige Alpentouren mit dem Fahrrad machen, oftmals auch Familien, manchmal sogar mit Kleinkindern. Das bedingt natürlich wesentlich mehr Gepäck und ein Fahrradanhänger kommt hier meistens zum Einsatz.

Hier wird unterschieden zwischen reinen Fahrradanhängern für Lasten und Fahrradanhängern speziell für Kinder. Hier ist die Aufmerksamkeit bei der Wahl nochmals sehr gefragt, ja sogar fast wichtiger als beim Bike selber. Beide Anhänger sind vom Hersteller immer auf eine maximale Zuladung zertifiziert, die unter keinen Umständen überschritten werden darf. Auch hier ist natürlich das Eigengewicht eine relevante Entscheidungshilfe. Um ein Mindestmaß an Sicherheit zu bekommen dürfen für Gebirgstouren nur Fahrradanhänger mit einer Auflaufbremse in Betracht gezogen werden. Relevant sind dann auch Fragen zu der Anhängerkupplung, die eine sichere Verbindung zum Bike garantieren muss und auch eine Beleuchtung, die auch bei Stillstand leuchtet. Links und rechts ein reflektierender Wimpel trägt auch zu Sicherheit bei, da so ein Fahrradanhänger, der ja um einiges breiter als das eigentliche Bike ist, schnell mal von anderen Verkehrsteilnehmern übersehen werden kann.

Welcher Fahrradanhänger sich zu welchen Zwecken am besten eignet, kann im Fahrradanhänger Test nachgelesen werden. Bitte sich diese Zeit unbedingt nehmen, der eigenen Sicherheit zu liebe.

Im Gebirge kann das Wetter ganz schnell mal umschlagen, somit ist auch mit der Wahl von Kleidung und Ausrüstung nicht zu spaßen. Es ist nicht notwendig jedem Mode-firle-franz mitmachen zu müssen. Ein geprüfter Helm, Fahrradschuhe und Fahrradhandschuhe sind jedoch zur eigenen Sicherheit zwingend. Angebracht ist auch eine Regenbekleidung und je nachdem, wie lange die Tour dauern soll, natürlich auch Wäsche und Unterwäsche zum Wechseln.

Spezialisierte Biker-Shops führen eine riesige Auswahl an nützlichem aber auch überflüssigem Zubehör. Bei der Wahl unbedingt mehr auf Qualität als auf Quantität achten. Wenn es um die Frage Sicherheit geht immer auf Zertifikate und Prüfsiegel achten, das kann im Extremfall der hoffentlich ausbleibt, sehr entscheidend sein. Im Fahrradanhänger Test wurden verschiedene Fahrradanhänger miteinander verglichen, was natürlich sehr informativ ist.